EurViews. Europa im Schulbuch

Gegenstand

Die multilinguale Edition EurViews verfolgt das Ziel, Vorstellungen von Europa und Europäizität, die in Geschichtsschulbüchern des 20. und 21. Jahrhunderts weltweit vermittelt wurden, zu erheben, wissenschaftlich-kritisch zu edieren und einem internationalen Nutzerkreis zugänglich zu machen. Mit seinem historischen wie systematischen Ansatz will EurViews die Pluralität und Veränderlichkeit von Europavorstellungen sichtbar machen und für die Varianz und Konkurrenz von Erinnerungskulturen sensibilisieren.

Ziele

Ein internationales Autorenteam erstellt eine umfassende Edition von Texten, Karten und Bildern, die in bis zu drei Sprachen – der jeweiligen Landessprache sowie einer deutschen und englischen Übersetzung – frei und mit möglichst niedrigen technischen und sprachlichen Barrieren nutzbar sein wird. Aufgenommen, kommentiert und kontextualisiert werden historische wie aktuelle Schulbuchquellen aus europäischen und einer Vielzahl von nichteuropäischen Ländern. So entsteht eine modular aufgebaute, erweiterbare Edition, die der Forschung in verschiedensten Bereichen ein einzigartiges, bisher schwer zugängliches Quellenmaterial zur Verfügung stellt. Damit ermöglicht das Projekt vor allem diachron und synchron vergleichende Analysen zum Wandel staatlich definierter Europarepräsentationen im 20./21. Jahrhundert; zugleich aber wirft sie auch Fragen nach transnationalen Trends und grenzüberschreitenden Transfers auf.

Quellen und Methoden

Das Untersuchungsdesign basiert auf einer qualitativen Inhaltsanalyse der Schulbücher und einem systematischen Vergleich der erhobenen Quellen. Um neben der synchronen auch diachron vergleichende Analysen durchführen zu können, wurde ein langer Untersuchungszeitraum, beginnend an der Wende zum 20. Jahrhundert, gewählt. Dabei orientiert sich die Betrachtung der Europarepräsentationen an sieben historischen Querschnitten, die sich bewusst nicht allein an politischen Zäsuren und Wendepunkten der „Weltgeschichte“ orientieren. Vielmehr handelt es sich bei diesen Zeitachsen um Setzungen - „weiche Daten“ - , die nicht auf ein bestimmtes Datum fixiert sind, sondern die „Lebenszyklen“ von Schulbüchern berücksichtigen und lediglich grobe Orientierungsmarken als Ebenen für Vergleiche setzen und die Einordnung der Quellen in ihren jeweiligen bildungsgeschichtlichen und historischen Kontexten ermöglichen.

Zwischenergebnisse

In einer Pilotphase sind Module für drei europäische Länder – Deutschland, Frankreich und Polen – erstellt worden. In den folgenden Jahren wuchs der Kreis von Autoren und Partnern, so dass die Edition um weitere Studien ergänzt werden konnte. Im der laufenden Projektförderung werden Quellen aus dem südlichen und nördlichen Afrika sowie dem arabischsprachigen Mittelmeerraum erschlossen, parallel wurden Quellen aus dem östlichen Mitteleuropa erarbeitet. Entlang eines Modells für den Ausbau der Edition werden nun laufend Quellen aus weiteren Ländern aufgenommen.

Vernetzung

In laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekten werden und wurden mit Förderung durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Technische Universität Braunschweig Module für die Edition erarbeitet. Dank des stetig wachsenden Kreises von Autoren und Partnern werden fortlaufend neue Quellen für weitere Länder erschlossen und bestehenden Module ausgebaut, sowie kontextualisierende Kommentare und Essays eingestellt. Auf diese Weise unterstreicht das Georg-Eckert-Institut die Anwendungsorientierung seiner Forschung ebenso wie sein Alleinstellungsmerkmal als wissenschaftlicher Knotenpunkt im Netzwerk der Schulbuch- und Bildungsmedienforschung; ohne international weitreichende, langjährige und stabile Kooperationsbeziehungen könnte ein derart weitgespanntes und ambitioniertes Projekt nicht realisiert werden. 

Auch in den nächsten Projektphasen sind wir in hohem Maße an den Beiträgen anderer Wissenschaftler und an Vorschlägen zur Optimierung unserer stetig wachsenden Internetedition interessiert. Sollten Sie an einer Mitarbeit interessiert sein oder die bereits frei geschalteten Module kommentieren wollen, so wenden Sie sich bitte an die Mitarbeiter des Projektes.

Projektleitung: Prof. Dr. Simone Lässig

Projektkoordinatorin: Dr. Kerstin Schwedes
Mitarbeiter: Imke Rath, M.A.